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Zwei Dutzend Schwimmer beim 45. Sundschwimmen (16.07.2009)

Oliver Schmalz vom SSV Hoyerswerda ist ein recht schneller Schwimmer. 2001 zum Beispiel wurde er beim Sundschwimmen von Altefähr auf Rügen nach Stralsund Dritter, voriges Jahr belegte er unter 947 Startern Platz 25.

"Die Kunst ist nicht, Erster zu werden, sondern Letzter", lächelte der 24-Jährige am Sonnabend nach seiner achten Sundquerung. Er hat es nicht geschafft. Obwohl er sich wirklich nicht gerade beeilt hat, die 2300 Meter zu bewältigen und dafür dreimal so lange brauchte wie sonst, hatte er keine Chance. Es reichte trotz "Kinderkraul" und "Treibenlassens" nur für den vorletzten Platz. "Das ist schon eine kuriose Geschichte", findet der junge Mann und meint damit Margot Schmidt aus Düsseldorf.

Sie ist 83 Jahre alt und seit 2002 auf den letzten Platz abonniert. Einige der Hoyerswerdaer finden, es werde zu viel Rummel um die Seniorin gemacht. "Es ist unfair, dass sie so zu Werbezwecken verwendet wird", findet zum Beispiel Eric Nickol. Der 16-Jährige ist vor zwei Jahren mit seinen Eltern aus Hoyerswerda gen Westen gezogen, schwimmt jetzt für die Wasserfreunde Lüdenscheid und trifft sich trotzdem noch mit seinen früheren Vereins-Kameraden in Stralsund. Als er am Sonnabend im dortigen Strandbad am Ziel stehen konnte, holte er eine Sachsen-Fahne aus der Dreiviertel-Badehose, legte sie um seine Schultern und kletterte so die Treppe zum Strand hinauf. Begründung: Er sei immer noch stolz auf seine Heimat. "Das wird zu sehr hochgespielt", sagt er hingegen über Margot Schmidt, von der berichtet wird, sie würde in Altefähr immer als letzte ins Wasser gehen.

"Für Leute wie mich ist das schon sehr interessant", sagt dagegen Madlen Müller über die Düsseldorferin. Die 21-Jährige wagte sich beim 45. Sundschwimmen nämlich ebenso wie Manja Klauschenz, Susan Steudtemann und Marwin Paul zum ersten Mal ins dieses Jahr mit 23 Grad Celsius angenehm warme Wasser. Tilo Schmidt, der am Sonnabend zum achten Mal dabei war, hat nach bestandener Glasveredler-Prüfung sogar auf seine Gesellenfeier verzichtet. "Das ist wie Weihnachten", sagt Peter-Paul Heym. Er absolvierte nun das zehnte Sundschwimmen, ebenso wie Andreas Frank (33). Der sagt, es gebe gute Gründe dafür, auf Rügen ins Wasser zu gehen und dann gemeinsam mit tausend anderen Menschen zum Festland zu schwimmen: "Das schwankt irgendwie zwischen Selbstbestätigung, Verrücktheit und Spaß."

Nur eines mag Frank nicht so gern hören, nämlich den Namen von Margot Schmidt. "Das reinste Schmidt-Schwimmen", schimpfte er. Oliver Schmalz sieht das dagegen etwas differenzierter. Er ist gut 2000 Meter hinter der Seniorin hergeschwommen und sagt: "Respekt vor der sportlichen Leistung!" 1 Stunde und 42 Minuten hat sie es im Wasser ausgehalten, über das Schmalz sagt: "Zum Schluss ging die Quälerei los. Ich habe gefroren und hatte Krämpfe in Fingern sowie Füßen. Das war ein Ding der Unmöglichkeit." Also beeilte sich der 24-Jährige dann lieber doch und kam 14 Minuten vor Frau Schmidt ins Ziel.

Text und Foto von Mirko Kolodziej, Lausitzer Rundschau, 07.07.2009